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(Nachhaltig) Sein oder nicht sein… das ist hier die Frage

Optionen zur Einbeziehung von Nachhaltigkeitszielen in Eignungstests für Kleinanleger

Dieser Bericht enthält die zusammengefassten Ergebnisse und Analysen der „Arbeitsgruppe zu nicht-finanziellen Eignungsfragebögen“ für Privatanleger, die von September 2018 bis August 2019 in Deutschland zusammengetreten ist.

Die Arbeitsgruppe[1] wurde von der 2° Investing Initiative moderiert und bestand aus Vertretern von Finanzinstituten, Universitäten, der Zivilgesellschaft sowie des Bundesumweltministeriums.

Die hier zusammengefassten Ergebnisse spiegeln die Diskussionen der Arbeitsgruppe sowie das technische Material wider, das zur Unterstützung dieser Diskussionen entwickelt wurde, insbesondere Umfragen, Fokusgruppen, rechtliche Analysen und Dokumentenrecherchen.

Die Ergebnisse spiegeln keinen Konsens der Arbeitsgruppe selbst wider, sondern sollen die wichtigsten Herausforderungen und Schlussfolgerungen objektiv darstellen, wobei sowohl die Forschung zur Unterstützung der Arbeitsgruppendiskussionen als auch die Diskussionen innerhalb der Arbeitsgruppe berücksichtigt werden.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe erhielten vor der Veröffentlichung Gelegenheit, das Dokument zu überprüfen und schriftliche Kommentare abzugeben, wenn sie nicht einverstanden waren. Nichtsdestotrotz spiegeln die Ergebnisse in diesem Dokument nicht die offizielle Position sämtlicher Organisationen der Arbeitsgruppe wider. Vielmehr zielt der Bericht darauf ab, den Stand in Forschung und Praxis darzustellen; was wir wissen, was wir nicht wissen, wo wir uns einig und uneinig sind, sowie welche zentralen Herausforderungen bestehen, die weitere Arbeit und Analysen erfordern.

Eine große Herausforderung, die von der Arbeitsgruppe festgestellt wurde, ist die mangelnde Rechtssicherheit im Umgang mit Fragen zum Thema nicht-finanzieller Präferenzen.

Die Veröffentlichung dieses Berichts fällt in einen Zeitraum, in dem auf europäischer Ebene die regulatorischen Leitlinien insbesondere im Hinblick darauf überarbeitet werden, wie Nachhaltigkeitsaspekte in Eignungsfragebögen berücksichtigt werden sollten[2]. Die Arbeit der Arbeitsgruppe deckt eine Reihe grundsätzlicher Herausforderungen auf, die einer effektiven Integration dieser nicht-finanzieller Präferenzen in die Anlageentscheidungen von Privatanlegern im Weg stehen. Diese sind insbesondere:

  • Ein möglicher Mangel an Produkten, die die „echten“ Ziele von Privatanlegern erfüllen, kann Anlageberater daran hindern, Fragen zu stellen, für die es keine Produkte gibt. Dieser Konflikt führte dazu, dass sich ein Finanzinstitut vollständig aus der Arbeitsgruppe zurückzog;
  • Das Risiko, die Kosten für die Verbraucher zu erhöhen, indem potenziell teurere ESG[3]-Fonds oder Fonds mit Nachhaltigkeitsaspekten ohne echte Auswirkungen auf die Realwirtschaft verkauft werden;
  • Die mangelnde Infrastruktur zur Verfolgung der Auswirkungen von nachhaltigen Investments auf die Realwirtschaft, was von der Arbeitsgruppe als vorrangiges und eigentliches Ziel für die Integration nicht-finanzieller Präferenzen festgelegt wurde,
  • Das Management der ‚Arbitrage‘ zwischen finanziellen und nicht-finanziellen Ziele im Allgemeinen.

[1] Die vollständige Liste der Mitgliedsorganisationen der Arbeitsgruppe finden Sie in Anhang I

[2] Die Arbeiten der „European Securities and Markets Authority“ (ESMA) dazu ruhen derzeit.

[3] Environmental, Social, Governance = ESG